Kritische Theorie des Antisemitismus

Nicht erst seit den Protesten gegen die Cornonamaßnahmen zeigt sich wieder Antisemitismus. Mit dem Ende der Shoah verschwand der Antisemitismus nicht einfach. Ironisch schrieben bereits Adorno und Horkheimer in der letzten erst 1947 hinzugefügten These der "Elemente des Antisemitismus" in der Dialektik der Aufklärung: "Aber es gibt keine Antisemiten mehr". Damit weisen sie auf die Form des Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft nach der Shoah hin. Antisemitismus selbst ist tabuisiert und darf nicht mehr offen kommuniziert werden. Zugleich bleiben die antisemitischen Stereotype im kulturellen Gedächtnis verankert und das antisemitische Weltbild weiterhin bestehen. Entsprechend äußert sich der Antisemitismus zumeist nicht als direkter Angriff auf Jüdinnen und Juden - auch wenn solche Angriffe nach wie vor täglich geschehen. Antisemitismus heute nutzt Codes oder projiziert seinen Hass auf Israel als jüdischen Staat. Letzteres ließ sich besonders deutlich beobachten bei den Raketenangriffen der Hamas und der israelischen militärischen Reaktion darauf. Demonstrant*innen, die gegen die israelischen Angriffe auf Hamas-Stellungen protestierten, dämonisierten Israel, indem sie Bilder nutzten, die antisemtische Stereotype zitierten. Zugleich wurde aber bei diesen Demonstrationen auch ganz offen und direkt gegen Jüdinnen und Juden gehetzt und diese mit Israel identifiziert.
Im Seminar wollen wir uns mit den Grundlagen einer Kritik des Antisemitismus befassen und klären, weshalb der Antisemitismus eine Ideologie der Moderne ist. Dabei werden wir uns inbesondere den Zusammenhang des Antisemitismus mit der kapitalistischen Vergesellschaftung anschauen und uns überlegen, was das für den Antisemitismus in der DDR und der Sowjetunion bedeutet.
Zudem diskutieren wir im Seminar aktuelle Verschwörungsideologien und ihren Zusammenhang zum Antisemitismus. Neben israelbezogenem Antisemitismus befassen wir uns im Seminar mit Karin Stögners Arbeit, die den Antisemitismus als intersektionale Ideologie par excellence beschreibt.

Neben Methoden für eine gemeinsame Diskussion und einen produktiven Austausch, werden im Seminar auch Texte gelesen. Die Texte werden, soweit möglich, durch einsteigerfreundliche Alternativen ergänzt, sodass jede*r ihrem*seinem Können und seinem Interesse entsprechend einen Text auswählen kann.

Termin: 01. bis 03.04.2022

Zielgruppe: Alle Interessierten ab 17 Jahren

Kosten: 25 € inkl. Übernachtung und Verpflegung