Tagung im Archiv der Arbeiterjugendbewegung vom 9. bis 11. Oktober 2009



Internationalismus gehört zum Selbstverständnis der Arbeiterbewegung seit ihrer Gründung. Auch die Arbeiterjugendbewegung war seit ihrem Bestehen in internationale Kontexte eingebunden. Kaum anders stellt es sich für die Kinderorganisationen dar. In Deutschland ein Nachzügler im Prozeß der Organisationsbildung innerhalb des sozialdemokratischen Milieus, flossen bereits in die Bildung der Kinderfreunde Ideen aus Österreich ein. Die Arbeit der Kinderfreunde entwickelte sich im Austausch über nationale Grenzen hinweg weiter und die internationalen Zeltlager dürften zu den beeindruckendsten Erlebnissen junger Falken gehört haben.
Der zweite Weltkrieg beendete jedoch auch die Arbeit der Sozialistischen Erziehungsinternationale. Der Neuanfang wurde nach dem Krieg sehr rasch versucht, begegnete jedoch Schwierigkeiten. Skandinavier und Holländer verweigerten zunächst die Zusammenarbeit. Über die Zielsetzung der Internationale und die Art ihrer Arbeit musste erst Verständigung erzielt werden. Deutlich war, daß die unterschiedlichen nationalen Traditionen und Rahmenbedingungen auch ein unterschiedliches Verständnis vom Sozialismus hervorgebracht hatten ebenso wie ein unterschiedliches Verständnis von sozialistischer Erziehung. Neben diesen inneren Schwierigkeiten begegnete die sozialistische Erziehungsarbeit jedoch auch Herausforderungen, die sich aus der Zeit ergaben. Die Wunden, die der Zweite Weltkrieg geschlagen hatte, sollten geheilt werden, doch wie war das in praktische Erziehungsarbeit umzusetzen? Wie war der eigene Internationalismus zu verstehen, wenn sich in Europa nun langsam gemeinsame Institutionen bildeten?
Die diesjährige Archivtagung beschäftigt sich mit der Geschichte der Falkeninternationalen (International Falcon Movement / IFM) und ihren Mitgliedsorganisationen in den ersten zwei Nachkriegsjahrzehnten. Wir wollen Bausteine zu einer Geschichte der IFM und ihrer Mitglieder sammeln und dabei fragen, durch welche Traditionen und gesellschaftlichen und politischen Bedingungen die einzelnen Mitgliedsorganisationen in jener Zeit geprägt waren. Wir wollen erfahren, warum und wie sie sich an der internationalen Arbeit beteiligten und wie die einzelnen Erziehungsansätze aussahen. Was bedeutete Sozialismus und wie sollte er Kindern vermittelt werden? Welche Bedeutung hatte der Internationalismus darin und wie wurde versucht, diesen praktisch erfahrbar zu machen, vor allem nach Krieg und Holocaust? Die IFM als Organisation soll uns dabei als Focus dienen, durch den der internationale Bezug der jeweiligen Erziehungsarbeit mit Kindern deutlich werden soll.
Wir haben zu dieser Tagung viele internationale Referenten eingeladen. Die Tagung wird auf Deutsch und Englisch stattfinden. Für eine Übersetzung wird gesorgt werden.
Wir weisen darauf hin, dass eine gesonderte Einladung zur Archivtagung durch Brief nicht mehr erfolgt! Bitte benutzt zur Anmeldung den beigehefteten Rückmeldebogen! Für Schüler, Studenten und Erwerbslose bis zum vollendeten 28. Lebensjahr besteht die Möglichkeit zur Ermäßigung der Tagungskosten um 50 Prozent. Bei Fragen bitte Rücksprache mit dem Archiv halten.



Programm

Freitag, 09. Oktober 2009

18.00 Uhr Begrüßung und Einführung, Wolfgang Uellenberg-van Dawen, Köln

18.20 Uhr Die IFM in ihren Dokumenten: Geschichte, Aufgaben, Debatten, Uwe Ostendorf, Berlin

19.00 Uhr Die französische Falkenbewegung, Michèle und Henri Berenguier, Martiguez

20.00 Uhr Der Falkenstaat Junges Europa im Allgäu 1952 (Filmvorführung mit Einführung)


Samstag, 10. Oktober 2009

1. Sektion, England: Woodcraft Folk

Frühstück

9.00 Uhr “Span the world with friendship” – Socialist children’s and youth movements in the UK, Andrew Flinn, London

10.30 Uhr Kaffeepause

10.45 Uhr The educational policy and practice of the Woodcraft Folk in the UK. Richard Palser, London

12.00 Uhr Mittagspause

2. Sektion, Österreich: Kinderfreunde

13.30 Uhr Die Österreichischen Kinderfreunde von 1945 bis 1965, Bernd Dobesberger, Linz

14.15 Uhr Geschichte sozialistischer Erziehungskonzeptionen, Heinz Weiss, Wien

15.30 Uhr Kaffeepause

3. Sektion, Skandinavien: Unga Örnar und Nuoret Kotkat

16.00 Uhr Entwicklungen in der Unga Örnar nach dem Zweiten Weltkrieg, Nic Nilsson, Stockholm

16.45 Uhr Erziehungsideale der Nuoret Kotkat im skandinavischen Zusammenhang, Ilpo Rossi, Helsinki


19.00 Uhr Abendessen

Samstag, 11. Oktober 2009
Frühstück

4. Sektion, Jüdische Organisationen in Israel und Europa: Zwischen Isolation und Kooperation

9.00 Uhr Der Skif – ein jüdischer sozialistischer Kinderverband in Europa, Kay Schweigmann-Greve, Hannover

9.45 Uhr Israel, Medan Ben-Ami

10.30 Uhr Kaffeepause

10.45 Uhr Abschlusskommentar und Diskussion
12.00 Uhr Mittagessen






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